Careleaver - was ist denn das?

Hände„leaving care" bedeutet übersetzt aus dem englischenin etwa: den Betreuungsstatus verlassen oder Fürsorge verlassen.
„Care leaver" sind junge Erwachsene die ihr Leben oder einen Teil davon in öffentlicher Erziehung - z.B. einer Wohngruppe oder einer Pflegefamilie - verbracht haben und sich am Übergang in ein eigenständiges Leben befinden.
Der Begriff wird in der Regel ohne Altersangabe verwendet, da man sein Leben lang Care Leaver bleibt. Oftmals stehen diese jungen Menschen vor anderen Herausforderungen als Menschen, die in ihrer Herkunftsfamilie groß geworden sind. Diese Herausforderungen sind beispielsweise:

 

  • Viel früher als ihre Altersgenoss_innen, die zu Hause aufwachsen müssen sie auf eigenen Beinen stehen,
  • sie müssen den Übergang meist allein und ohne viel Rückhalt aus ihrer Familie schaffen
  • sie sind i.d.R. auf dem Bildungsweg weniger erfolgreich
  • sie haben häufiger psychische Herausforderungen zu bewältigen
  • sie sind häufiger von Ämtern und Behörden abhängig
  • sie haben häufig Schwierigkeiten, eine Wohnung zu finden ohne Bürgen
  • sie haben meist keine finanziellen Rücklagen
  • sie können i.d.R. nicht zurückkehren in die Einrichtungen, wenn sie mit der frühen Selbständigkeit scheitern.

Viele Informationen dazu gibt es z.B. beim Careleaver e.V. und bei der Universität Hildesheim.

Seit 2017 arbeitet auch der Kinder- und Jugendhilferechtsverein e.V. explizit mit Careleavern, um deren Lebenslagen zu verbessern und ihre Rechte einzufordern.

DrososLogoWebDabei wird der KJRV durch die Drosos Stiftung unterstützt.

 

Fachtagung gemeinsam mit Careleavern: Schritte in ein selbstbestimmtes Leben – Unterstützungsmöglichkeiten für Careleaver aus Heimen, Wohngruppen und Pflegefamilien am 25.09.2019 in Dresden

Weltcafe schreiben 2Was braucht es, damit junge Menschen aus der Jugendhilfe in ein selbstbestimmtes Leben starten können? Der KJRV lädt zu einen Fachtag ein, der aus der Perspektive derjenigen, die in Hilfen zur Erziehung leben oder lebten heraus gute Ansätze, Notwendigkeiten und Änderungsbedarfe formulieren wird. Dafür treten Careleaver und Fachkräfte in einem Dialog.

 

Anmeldung: https://doo.net/veranstaltung/37178/buchung

 

Ort: Dreikönigskirche Dresden, Hauptstraße 23, 01097 Dresden

Zeit: Mittwoch, der 25.09.2019 von 10 – 16.30 Uhr; anschließend Präsentation des Abreißkalenders „In 100 Schritten in ein selbstbestimmtes Leben" durch Careleaver.

Hintergrund: Junge Menschen, die in Heimen, Wohngruppen und in Pflegefamilien aufwachsen, verlassen diese i.d.R. rund um den 18. Geburtstag ("Careleaver"). Viel früher als ihre Altersgenoss_innen, die zu Hause aufwachsen müssen sie auf eigenen Beinen stehen. Dabei haben sie viel größere Schwierigkeiten, weil sie den Übergang meist allein und ohne viel Rückhalt aus ihrer Familie gestalten müssen. Darüber hinaus sind sie benachteiligt, weil sie i.d.R. auf dem Bildungsweg weniger erfolgreich sind, weil sie häufig psychische Herausforderungen haben, weil sie häufiger von Ämtern und Behörden abhängig sind, weil sie Schwierigkeiten haben eine Wohnung zu finden ohne Bürgen, weil sie meist keine finanziellen Rücklagen haben und auch i.d.R. nicht zurückkehren können in die Einrichtungen, wenn sie mit der frühen Selbständigkeit scheitern. Die Hilfen enden meist sehr abrupt und viele Einrichtungen fragen sich, wie sie ihre erfolgreiche Arbeit gut zu Ende bringen können, wenn die Hilfen enden. Viele dieser jungen Menschen wenden sich an ombudschaftliche Beratungsstellen.

Weiterlesen: Fachtagung gemeinsam mit Careleavern: Schritte in ein selbstbestimmtes Leben –...

Immer wieder Thema: Kostenheranziehung für Jugendliche in der Heimerziehung

Grafik Kostenheranziehung

Junge Menschen, die in der Heimerziehung oder bei Pflegeeltern leben und eigenes Einkommen haben, müssen einen Teil davon für die Kosten der Heimerziehung an das Jugendamt abgeben. In der Regel sind das 75 Prozent. Das bedeutet, dass junge Menschen nur 25 Prozent von ihrem Einkommen behalten dürfen.

Es gibt Jugendliche, die das als ungerecht empfinden und die sich fragen, warum sie arbeiten gehen sollten oder eine Ausbildung anfangen sollten, wenn sie dann nur ein Viertel des Einkommens behalten dürfen. Weil das im Einzelfall als nicht gerecht empfunden wird und manchmal auch junge Menschen lieber gar nicht arbeiten gehen, wurde im Jahr 2013 im Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII) die Möglichkeit geschaffen, dass junge Menschen im Einzelfall auf Antrag mehr von ihrem Einkommen behalten dürfen.

Um junge Menschen über diese Möglichkeit zu informieren, veröffentlicht der Kinder- und Jugendhilferechtsverein e.V. diese Information.

Weiterlesen: Immer wieder Thema: Kostenheranziehung für Jugendliche in der Heimerziehung